Es ist wieder so weit: wir wünschen Euch allen einen guten Rutsch!

Jahr des Hahns

 

Und bevor Du nach dem Datum suchst – nein, dieser Post ist nicht in 2016 geschrieben worden. In China beginnt nämlich an diesem Samstag, den 28. Jänner, das Neujahrsfest. Ab den 28. ist das Jahr des Affen vorbei und es beginnt das Jahr des Hahnes. Das Feiern selbst dauert dann noch zwei Wochen und endet mit dem Laternenfest am 11. Februar. Jedes Mal fällt das chinesische Neujahrsfest auf einen anderen Tag zwischen Ende Jänner und Ende Februar, doch die bunten (und sehr leckeren!) Traditionen des tausendjährigen Festes bleiben unverändert. Aber wie schauen diese Gebräuche aus und wie kann man richtig mitfeiern?

 

Am wichtigsten ist das ankommende Jahr selbstverständlich für alle „Hähne“! Welches von den chinesischen Tierkreiszeichen man ist, hängt davon ab, in welchem Jahr man geboren worden ist. Der Tierkreis wiederholt sich alle 12 Jahre, d.h. man ist Hahn, wenn man 2005, 1993, 1981, 1969, usw. geboren ist. Glücklicherweise muss man heutzutage nicht mehr alles mit einem Taschenrechner ausrechnen: Du kannst hier dein Tierkreiszeichen nachschauen und auch ein bisschen mehr über dein Horoskop lesen. Hähne sollen in 2017 viel Rotes tragen; das bringt nämlich Glück, ein rotes Schnürchen als Armband reicht auch!

Chinesisches Zeichen "Fu" - Glück

Für das Neujahrsfest selbst ist die rote Farbe aber nicht nur für Hähne sehr wichtig. Zu dieser Zeit ist es Brauch, rote Kleidung anzuziehen und rote Dekorationen zu benutzen, insbesondere rote Laternen, die man am letzten Tag der Feier ausstellt. Kinder bekommen als Geschenk kleine rote Kuverts mit Geld von ihren Eltern und anderen älteren Verwandten. Der Ursprung dieser Tradition geht weit nach hinten und liegt noch im Zeitalter des alten China. Es soll nämlich vor langer Zeit ein Ungeheuer namens Nian in China gewohnt haben und dort die benachbarten DorfbewohnerInnen oft gefressen haben. Ein vorbeigehender Mönch fand heraus, dass Nian Angst vor der roten Farbe und vor sehr lauten Geräuschen hatte. Um das Ungeheuer immer wieder zu verjagen, fingen also die DorbewohnerInnen jedes Jahr an, rote Kleidung zu tragen und lautes Feuerwerk anzuzünden, und diese Bräuche sind bis heute geblieben.

 

Das Frühlingsfest hat denselben Stellenwert für ChinesInnen wie Weihnachten für ÖsterreicherInnen: es ist eine Zeit, die man mit Familie und Geliebten verbringt. Und wie auch bei ÖsterreicherInnen ist es natürlich eine Zeit der köstlichen Genüssen! Manche Gerichte werden besonders gern zubereitet, weil ihr Name wie andere chinesische Wörter, die positive Eigenschaften bezeichnen, sich anhört. Zum Beispiel ist Seewolf beliebt, weil Seewolf (niányú) wie die chinesischen Wörter „Jahres Überschuss“ (nián yú) klingt. Man kann ihn kochen, dämpfen, oder andünsten, aber wichtig ist, dass ein bisschen Fisch übriggelassen wird: dann wird man auch in den nächsten Jahren einen Überschuss bekommen. Nudeln isst man auch oft, da ihre lange Form langes Leben symbolisiert. Diese soll man nicht schneiden – sonst schneidest Du Teil Deines Lebens weg.

 Jiaozi - Teigtaschen gefüllt mit Fleisch und Gemüse

Zwei der wichtigsten Speisen für Neujahr liegen an verschiedenen Enden des Spektrum von Tradition. Eine davon sind chinesische Teigtaschen (jiǎo zi), welche sogar schon vor fast zweitausend Jahren gekocht wurden. Sie schauen aus wie traditionelles silbernes Zahlungsmittel und sind besonders mit Neujahr verbunden, da man sagt, je mehr jiǎo zi man zu Neujahr isst, desto mehr Geld man im nächsten Jahr verdienen wird. Chinesische Teigtaschen bestehen aus einer dünnen Teighülle und eine von mehreren möglichen Füllungen, z.B. faschiertes Rind oder Huhn, Gemüse, oder Garnelen. Da die Teigblätter heutzutage auch in asiatischen Geschäften verkauft werden, ist dieses Schmankerl auch leicht zu Hause zu machen; man braucht dafür aber entweder ziemlich viel Zeit oder eine große Familie, die mithilft. Die Teigblätter oder ganz fertige bekommt man tiefgekühlt bei uns in der Dametzstr.!

 

Deswegen ist in den chinesischen Gemeinschaften außerhalb China, wo es keinen gesetzlichen Feiertag für das chinesische Neujahr gibt, eine neue Tradition entstanden: das Hot Pot. Das Hot Pot ist vergleichbar zu einem Fondue mit Brühe; in einem großen Topf wird eine Brühe zu kochen gebracht und verschiedene Zutaten werden da eingetaucht. Die Brühe ist am wichtigsten, da es eine Basis für den Rest der Zutaten erstellt, und die Würze findet man auch speziell verpackt in asiatischen Geschäften und bei uns! Insbesondere ist Sichuan Hot Pot für ihre betäubend scharfe Geschmacksrichtung bekannt. Die anderen Zutaten können frei ausgewählt werden, dennoch sind natürlich manche um diese Zeit besonders beliebt. Einige Leute benutzen Garnelen, weil die Garnele auf Kantonesisch ha heißt und daher viel Lachen fürs neue Jahr bringen soll. Selbstverständlich sind Nudeln mit ihrem Wunsch nach Langlebigkeit auch oft in einem Hot Pot zu sehen, und Tofustäbchen und Pilze schmecken ebenfalls sehr gut darin. Und natürlich ist es nie schlimm, wenn etwas für morgen übrig bleibt: man kocht immer viel zu viel Hot Pot, aber Essensreste symbolisieren Überschuss und sind daher ein gutes Zeichen.

 

Und jetzt bist Du bereit, am Samstag mit der Party zu beginnen. Ob Du aufs Ganze gehst und selbst 100 Teigtaschen zubereitest und dann ein Ungeheuer und all deine Nachbarn mit Feuerwerke erschreckst, ob Du Zeit mit deiner Familie verbringst während Ihr zusammen Hot Pot esst, oder ob Du nur einem Kind ein rotes Kuvert mit € 0.80 gibst (8 ist eine Glückszahl...), wir wünschen Dir ein frohes chinesisches neues Jahr!



Weiterführende Links: (Für die Inhalte und Richtigkeit der bereitgestellten Informationen ist der jeweilige Anbieter der verlinkten Webseite verantwortlich.)

http://firstwefeast.com/eat/2015/02/hot-pot-the-ultimate-chinese-new-year-hack

http://www.chinahighlights.com/travelguide/chinese-food/chinese-new-year-food.htm